Thema: Analyse der Lage | Veröffentlicht: 18.07.2013

HALBZEITPAUSE IM EUROCUP 2013 | BERICHT ZUR SPIELSITUATION

Wie wird das Spiel ausgehen?
Der Eurocup war schon einmal besser besucht. © Emkaer/Wikipedia

Was ist in der ersten Hälfte des Spieles 2013 passiert? Zeit eine Bilanz zu ziehen und zu sehen, was in der zweiten Hälfte auf uns zukommen könnte.

Die meisten Menschen in Deutschland und in den anderen Staaten von Nordeuropa werden sagen: “Es ist doch alles bestens, es läuft wunderbar und es ist doch gar nichts passiert”. Na ja, oberflächlich betrachtet: der große Crash ist ausgeblieben und den Euro gibt es nach wie vor. Also doch alles nur Panikmache und alles wird gut? Nun ja, mal sehen.

Seit Beginn der Krise stand das System schon mehrmals vor dem Abgrund, meist von der Öffentlichkeit unbemerkt. Zuletzt war dies im Sommer 2012 der Fall, als das Anleiheankaufprogramm OMT der EZB ins Leben gerufen wurde. Übrigens ein weiterer Rechtsbruch getroffener Vereinbarungen und Verträge, denn der europäischen Zentralbank ist es verboten Staaten direkt zu finanzieren. Jörg Asmussen, Mitglied des Direktoriums der EZB, gestand seinerzeit: “Die Euro-Zone stand kurz vor dem unkontrollierten Zerfall”. [1]

Kommen wir nun aber zum Eurocup 2013, in dessen erster Spielhälfte einiges passiert ist, dass durchaus beachtlich ist, mit zum Teil noch nicht absehbaren Folgen. Ein Ereignis mit geschichtlichen Folgen war mit Sicherheit der erste Papstrücktritt seit 800 Jahren und die Wahl eines neuen, völlig anderen Papstes. Das kündigt Änderungen in der römisch-katholischen Kirche von epochalem Ausmaß an.

Die Spielregeln haben sich geändert

Das zweite epochale Ereignis fand in der Finanzwelt statt: die Einführung des Bail-Ins in Zypern im April. Die Folgen werden wir vielleicht noch in diesem Jahr, mit hoher Wahrscheinlichkeit spätestens im nächsten Jahr zu spüren bekommen. Die EU hat inzwischen ein Gesetz zur Zwangsabgabe beschlossen, dass ab dem 1. August 2013 inkrafttritt. Danach werden die Bankkunden als erste enteignet, wenn eine Bank in einen Krise gerät. Damit sind Sparkurs und Bail-In ausser Kraft gesetzt, die Regeln haben sich geändert. [2]

Dieser Strategiewechsel der “Euroretter” (Bankenretter) wurde notwendig, da die Regierungen der Geberländer, im besonderen in Deutschland, ihren Steuerzahlern nicht weitere “Rettungen” zumuten konnten. Zypern war ein Probelauf für den Bail-In, der in Zukunft in ganz Europa, wahrscheinlich sogar weltweit, Anwendung finden wird. Immer mehr Länder rücken von ihrem Sparkurs ab und verabschieden nationale Gesetze, die es ermöglichen diesen Bail-In in ihrem Land umsetzen zu können.

Das hier in Deutschland vor den Wahlen nichts mehr passieren wird ist klar, aber danach kann es gefährlich werden. Finanzminister Schäuble hat ja schon öffentlich verlautbaren lassen, dass auch der deutsche Sparer mit 8% an Bankenrettungen beteiligt werden soll. Worauf sich diese acht Prozent beziehen ist allerdings noch völlig unklar. [3]

Es wird mit immer härteren Bandagen gekämpft

Es wird zwar offiziell nicht zugegeben, aber der Währungskrieg hat seit 2013 riesige Dimensionen angenommen. Die Zentralbanken von Japan, China, Europa und den USA werfen gewaltige Geldbomben ab und versuchen mit dieser Geldschwemme ihren Währungen Vorteile zu verschaffen. Dazu kommt ein beginnender Handelskrieg, mit dem die Nationen versuchen ihre Wirtschaft zu schützen. Aktuelles Beispiel sind die Strafzölle auf Solaranlagen und Wein zwischen China und Deutschland. Diese Entwicklungen werden sich verstärken, je schlechter es den jeweiligen Wirtschaften geht.

Einige Clubs pfeifen schon aus dem letzten Loch

In Südeuropa schlittern die Länder immer weiter in eine Rezession, teilweise sogar in eine Depression. Auch in Deutschland, obwohl uns hier wenigstens bis zu den Wahlen vorgemacht wird, wir hätten eine gesunde Wirtschaftsentwicklung, hat eine Rezession begonnen. Am besten sieht man das an den Neuzulassungen von Fahrzeugen in Europa, dieser ist auf ein tiefes Level, auf das von 1996 gefallen. Aus der Zuliefererbranche in Deutschland hört man, dass man ab diesem Sommer keine Aufträge mehr hat, normalerweise war man im Sommer immer schon für ein Jahr ausgebucht. [4]

Die Unternehmen beginnen zu sparen, Investitionen werden keine getätigt. Inwieweit diese Situation noch dieses Jahr durchschlägt wird man sehen, aber spätestens 2014 werden sich die Auswirkungen deutlich zeigen. Da die BRICS-Staaten (Brasilien-Russland-Indien-China-Südafrika), die in den letzten Jahren ein steter Wachtumsmotor für die weltweite positive Konjunktur waren, so langsam selbst wirtschaftliche Probleme bekommen, wird sich die Situation in Europa noch weiter verschlechtern (Nachfrage Exporte). Im besonderen China musste seine Wirtschaftsdaten zuletzt deutlich nach unten korrigieren.

Nach nunmehr über vier Jahren voller sogenannter Rettungsmassnahmen in Euroland muss festgestellt werden, dass sich im Grunde nichts zum besseren geändert hat, geschweige denn auch nur ein Problem gelöst wurde. Im Gegenteil, wir haben in den Südstaaten inzwischen eine Jugendarbeitslosigkeit von 40% bis 60%, um nur ein Beispiel zu nennen. Portugal, Spanien, Italien und Griechenland haben nicht nur weiterhin große Probleme, die Probleme werden auch immer schlimmer. Dazu kommt das immer mehr “Geberländer” im Euroraum wegbrechen. Holland ist ausgeschieden und Frankreich wackelt. Sollte Frankreich, die zweitgrößte Wirtschaftsnation in Euroland völlig abschmieren, dann ist nichts mehr zu halten.

Ein Spieler plaudert Vereinsgeheimnisse aus

Ein weiteres spektakuläres Ereignis im ersten Halbjahr sind die weithin bekannten Enthüllungen zur NSA-Überwachung von Edward Snowden. Das NSA-Programm überbietet dabei in der Realität alle sogenannten Verschwörungstheorien die im Internet zu diesem Thema zu finden sind. Das zur Zeit immer mehr Dinge an die Öffentlichkeit kommen, die in der Vergangenheit gerne von den Mainstreammedien totgeschwiegen wurden, gibt zu denken. Denn diese hätten den Whistleblower auch links liegen lassen können, wie viele andere Dinge auch und seine Enthüllungen wären allenfalls in ein paar Blocks oder auf “unseriösen” Internetseiten erschienen.

Halbzeitfazit

Die Halbzeitpause, sprich der Sommer, wird noch ruhig verlaufen. Bis zur Wahl in Deutschland lässt man keine Störungen zu. Danach werden wir es mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einer großen Koalition zu tun bekommen, haben wir ja im Grunde jetzt schon, alles andere ist Wahlkampfgeplänkel. Die “neue” Regierung wird Steuererhöhungen, Kürzungen aller Art und Zwangsabgaben durchsetzen, alles zum Wohle von Europa und einer Währung, die schon lange keine mehr ist. Der Euro wird sich aus ökonomischer Sicht nicht halten lassen, da kann er noch so alternativlos sein.

China wird immer weniger den Motor der Weltwirtschaft spielen können und wir alle werden das zu spüren bekommen. Dadurch wird es immer schwerer werden mit gefälschten Statistiken aus Wirtschaft und Politik die Bevölkerung zu hintergehen und ihr vorzumachen, alles wäre in Ordnung. Die Geldschwemmen der Zentralbanken werden weiterhin nicht in der werteschaffenden Wirtschaft ankommen, sondern die Blasen an den Finanzmärkten weiter aufblasen und die Crashgefahr erhöhen.

Die weltweiten Ökonomien werden in immer stärker werdendem Ausmass von inflationären und deflationären Gefahren betroffen sein, bis sich die grotesk hohe kursierende Geldmenge schliesslich zur Hyperinflation entscheidet. Schon jetzt ist der Unterschied der Preisbildung von Waren erheblich: beispielsweise werden PC´s immer billiger (deflationär), die Waren des täglichen Gebrauchs wie Lebensmittel oder Rohöl haben inzwischen Steigerungsraten von bis zu 10% (inflationär). Das wird nur durch unseren geschickt manipulierten Warenkorb nicht ersichtlich.

Der nahe Osten bleibt brandgefährlich, zumal Obama die Überschreitung einer “roten Linie” in Syrien ausgemacht haben soll. Die Lage in Ägypten entwickelt sich besorgniserregend. Es gibt vor allem in den USA immer noch elitäre Kräfte, die unbedingt einen Krieg in dieser Region anzetteln möchten. Die USA verlieren immer mehr den Nimbus “der Guten”, in der eigenen Bevölkerung und weltweit. Zudem wird die Macht ihrer Weltleitwährung weiter schwinden, die Brics-Staaten arbeiten schon seit langem an einer alternativen Handelswährung.

Also langweilig wird die zweite Halbzeit sicherlich nicht werden!


Quellennachweise:
[1] EZB sieht Verhandlung vor Verfassungsgericht gelassen entgegen
[2] Zwangsabgabe: Ab 1. August steigt das Risiko für Bank-Kunden erheblich
[3] Banken-Rettung: Deutschland verlangt 8 Prozent Zwangsabgabe von den Sparern
[4] Krisenmarkt Europa: Neuzulassungen fallen auf tiefstes Level seit 1996

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